DER URSPRUNG

DIE MACHT ER WORTE – Wie ein Gedicht den Stein ins Rollen brachte

Am 24. Mai 2013 nahmen Dr. Wyandt-Hiebert und Jen Brockman an einer Konferenz der Arkansas Coalition Against Sexual Assault in Little Rock, Arkansas, teil.

Im Rahmen der Konferenz wurde das Gedicht "Was ich anhatte" von Dr. Mary Simmerling vorgetragen. Simmerling schrieb das Gedicht in den frühen 2000er Jahren und erhielt dafür 2005 ein eingetragenes Urheberrecht.

 

Von dem Gedicht tief bewegt, begannen Dr. Wyandt-Hiebert und Brockman während einer Konferenzpause zu überlegen, wie eine visuelle Darstellung des Gedichtes aussehen könnte. Im Juni 2013 konzipierten und entwickelten Dr. Wyandt-Hiebert und Brockman das Grundgerüst für die Installation. Brockman nahm im Sommer 2013 Kontakt mit Dr. Simmerling auf und erhielt die Erlaubnis, ihr Gedicht im Zusammenhang mit der Installation zu verwenden.

 

Die erste Survivor-Art-Installation fand im April 2014 statt, im Rahmen einer Aufklärung über sexuelle Übergriffe.
Seit September 2013 hatten Dr. Wyandt-Hiebert und Brockman betroffene Studierende der University of Arkansas interviewt, welche freiwillig kurze Beschreibungen ihrer Kleidung abgaben, welche sie zum Zeitpunkt des Übergriffs trugen.

Diese Beschreibungen dienten der Nachbildung der ausgestellten Outfits und wurde von einem ortsansässigen Thrift Store gespendet.

Gedicht "Was ich an hatte" von Mary Simmerling
Gedicht "Was ich an hatte" von Mary Simmerling


Der Gedanke dahinter

Dr. Wyandt-Hiebert und Jen Brockman hatten über ein Jahrzehnt lang als Anwälte von Überlebenden der sexuellen Gewalt und der Gewalt in Partnerschaften gearbeitet, als sie die erste Installation dieser Art ins Leben riefen.
Die Frage „Was hattest du an?“ war für die meisten Überlebenden allgegenwärtig.

 

Dr. Wyandt-Hiebert und Jen Brockman wollten ein Projekt schaffen, welches die Antwort auf diese Frage von den Schultern der Opfer nimmt und an die Gesellschaft weitergibt.

 

Die Frage „Was hattest du an?“ zu stellen, kosten den Fragesteller nichts. Sie wird oft leichtfertig ausgesprochen, ohne die Folgen abzusehen.
Denn den Überlebenden wird dadurch die schwere Last der Selbstbeschuldigung auferlegt. Mit seiner Frage äußert der Fragesteller indirekt die Inschutznahme der Täter sowie ein gewisses Verständnis für ihr Handeln.

Die Installation fordert die Teilnehmer auf, sich mit der universellen Verbindung, die wir mit Kleidung haben, auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, was diesem spezifischen Mythos der Vergewaltigungskultur so viel Kraft verleiht.

 

Das Anziehen von Kleidung ist so selbstverständlich.
Eine so alltägliche Sache mit dem Schmerz und Leid der Opfer zu verknüpfen impliziert fälschlicherweise gleichzeitig, dass diese und andere simple und normale Verhaltensweisen des Alltags als gefährlich angesehen werden müssen und eine gewisse Verantwortung zum Schutz vor sexuellen Übergriffen bei potenziellen Opfern liegt.

 

Es ist elementar zu verstehen, dass die Taten nie von der Kleidung der Opfer ausgingen.

Es reicht nicht aus, die betreffende Kleidung hinter sich zu lassen, denn die Verletzung und der Schmerz sind nicht in das Material der Kleidung gewebt, sondern unvermeidbar zu einem Teil der neuen Geschichte der Überlebenden geworden.

 

Wenn das Beenden sexueller Gewalt doch nur so einfach wäre wie das Wechseln unserer Kleidung.

Stattdessen müssen wir hinterfragen, was uns als Individuum und als Gesellschaft überhaupt erlaubt zu fragen "Was hattest du an?".

Die ursprüngliche Ausstellung an der University of Arkansas, 2014
Die ursprüngliche Ausstellung an der University of Arkansas, 2014